THE SEQUEL

•3. August 2008 • Keine Kommentare

Probleme haben etwas mit Blogs gemeinsam: Mensch kann sie nicht abschütteln und immer wenn man vergangenes bewältigt hat, kommt einem die Gegenwart entgegen, freundlich händeschüttelnd. Was bleibt ist der Schmerz.

Zur Fortsetzung des Taschentücherblogs, Taschentücher II, geht es hier entlang. Wesentlich heller, weiterhin quälend langathmig. Es würde mich freuen, auch dort von einigen der Herrschaften, die sich in diesem Blog tummelten, zu lesen. Falls ihr noch da seid.

STRICH DRUNTER, ZUSAMMENZÄHLEN

•26. April 2008 • 3 Kommentare

Vor wenigen Tagen habe ich meine Psychotherapie beendet. Aus jemandem, der drei Tage die Woche in die Schule ging und die restlichen zwei Tage mit der S-Bahn zwischen zwei Endstationen hin-und-herpendelte ist jemand geworden, der Spaß an der Arbeit hat und dafür kämpft, später mal in seinem Traumjob mit anständiger Bezahlung arbeiten zu können. Ich kann meinem Heißhunger auf fettes widerstehen und schlage viele Gelegenheiten aus, Geld auszugeben. Seit einer Woche renne ich mit vierzig Euro im Geldbeutel herum - das hätte ich früher nicht geschafft. Ich habe 8 Kilo abgenommen und werde hoffentlich mit meinem Jahresabo im Fitnessclub noch weitere 20 Kilo abnehmen. Es geht mir gut.

Einen wahren Freundeskreis habe ich noch immer nicht, bin damit jedoch ganz zufrieden. Mit einem Mädchen aus dem Jugendclub fahre ich öfter auf Konzerte, was auch schon unsere einzige Gemeinsamkeit ist. Unsere Gespräche enden oft abrupt, während der Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln schweigen wir uns meist ganzzeitlich an. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich meinen, sie will etwas von mir. Allerdings könnte sie auch schönere und klügere Typen als mich haben, was mich wieder von dem Gedanken abbringt. Was ist es dann - eine Zweckfreundschaft? Sowas gibt es doch nicht. Dennoch: Schweigen ist komisch. Ich werde sie bei guter Gelegenheit mal darauf ansprechen.

Den Rest der Wochen verbringe ich am Computer, manchmal im Kino, selten allein in irgendeinem Café und innerhalb der Woche natürlich auf der Arbeit im Kreise der wirklich netten Kollegen. Ich habe meinen Traumberuf gefunden, und auch wenn ich jetzt noch als Praktikant für etwas mehr als dreihundert Euro monatlich arbeite, hoffe ich schon in fünf oder sechs Jahren das vielfache zu verdienen. Bis zum September 2009 ist mein Einkommen gesichert, ab dann soll der zweite Bildungsweg zum Abitur folgen.

Ich kann mit mir selbst leben. Habe eine neue Frisur, habe letztens über zwei Bahnsteige hinweg über Augenkontakt mit einer jungen Frau geflirtet ohne mich in Grund und Boden zu schämen und bin auch sonst so langsam auf der Augenhöhe aller Menschen angekommen.

Dieser Blog war kleiner Teil meiner Selbsttherapie. Jedem oder jeder, der oder die auch nur einen Satz gelesen hat, danke ich. In den Kommentaren zu diesem Beitrag bin ich (für Fragen, etc.) weiterhin erreichbar, die Emailadresse ist gelöscht.

Strich drunter, das wars.

Die letzte Wahrheit

•26. Dezember 2007 • 5 Kommentare

Die letzte Wahrheit

“Wärst du früher nicht so ein Arsch gewesen, hättest du sie gekriegt.” Gemeint ist die S., der ich jahrlang hinterher eiferte und die ich bis heute für die schönste Frau der Welt halte.

Der Spruch jedoch enstammt nicht meiner Fantasie, sondern wurde vor wenigen Tagen auf einer Party zu mir gesagt, nachdem ich vor einigen in Tränen ausbrach. Doch dazu mehr in einem späteren Blogeintrag. Es wird der letzte sein.

REIN SUBJEKTIV

•7. November 2007 • Keine Kommentare

Rein subjektiv

“Ich bin Daniel. Ich bin 19. Hab grad mein Abi bekommen. Und ich hab noch nie mit nem Mädchen geschlafen. Auch noch nie eins geleckt. Nichmal in Ruhe angefasst. Ich weiß nix, ausser das was ich von Dennis weiß. Und bald sind die Mädchen Frauen. Und was bin ich dann?”

Im Film Nichts bereuen, den ich nur jedem ans Herz legen kann, kommt dieser Satz im Intro vor, so wie er das Intro zu meinem Leben sein könnte. Zumindest nach Abzug aller objektiven Gesichtspunkte.

WO ICH GERNE WÄRE

•30. Oktober 2007 • 1 Kommentar

Wo ich gerne wäre

Ich hätte gerne eine Freundin, nein, Frau, eher klein, süß und alternativ, schlagfertig, wehrhaft und idealistisch. Schwarzhaarig und mit einen wunderschönen Hintern, wenn die Brust nicht so wichtig ist. In sozialen Beruf, idealerweise.

Ich hätte gerne eine Wohnung. Mit Retro-Kühlschrank, langem Bett, vielen Kissen, tollem digitalen Gadget-Zeugs und mindestens drei Zimmern. Viele große Kerzenständer in jeder Ecke. Abgezogene Dielen auf dem Boden. Eine nüchterne schwarze Ledercouch, gerne viel Stahl, Loft oder so. Von aussen kalt, von innen warm. Zwei Beleuchtungssysteme in jedem Raum: Eins für den Tag und eins mit viel dunklem Blau für die Nacht.

Ich hätte gerne zwei (oder drei?) Kinder. Mehr Mädchen als Jungs, weil die zwar zickiger, aber doch irgendwie leichter sind und nicht solchen Sturm verursachen wie Jungs. Aber auch einen Jungen, um seine eigene Kindheit wieder zu erleben und mit den ganzen alten Sachen rumzuspielen, an die man sich nicht mehr erinnern kann. Holzeisenbahn, Lego, Rollenspiele.

Ich hätte gerne einen mittelmäßig bezahlten Job im sozialen Bereich im Ausland. Irgendwo, wo es im Winter zwar schneit, im Herbst zwar Blätter regnet und im Frühling zwar Blumen blühen, es im Sommer aber immer 30° heiß ist. Und im Notfall auch in Schweden.

Ich hätte gerne schon jetzt Geborengenheit. Ich möchte schon jetzt neben jemandem aufwachen. Und ich möchte schon jetzt mit jemandem geschlafen haben, der mich akzeptiert. Ich möchte Sex gehabt haben, ohne die Realität ständig mit meinen eigenen Ängsten abgleichen zu müssen. Ich möchte mich nicht für mich schämen müssen und so sein, wie ich mich wohl fühle.

Ich möchte mein Leben leben. Und jedem sagen können, wer ich wirklich bin.

DER VERLIERER

•30. Oktober 2007 • 1 Kommentar

Der Verlierer

Ich dachte stark zu sein. Ich dachte verkraften zu können, das ich mir sämtliche erste Wege verbockt habe und nun auf zweitem Wege zu meinem Berufswunsch schleifen werde. Ich dachte, stark zu sein und meinen Weg zu gehen.

Aber wenn ich daran denke, das all meine alten Klassenkameraden in diesem Schuljahr ihr Abitur machen werden, schon mal mit dem Flieger geflogen sind oder spätestens nächstes Jahr ein Studium an irgendeiner Universität in Deutschland anbrechen werden, bricht es mir das Herz. Ich werde wohl nie an einem Abschlusstreffen derer teilnehmen. Und ich muss bei dem Gedanken daran, niemals in die Gruppe der Abtiurabsolventen meiner ehamligen Schule bei einer beliebten Social Community eintreten zu können, weinen.

Ich bin derjenige, der es nicht geschafft hat. Ich muss nun jahrelang Praktikas und freiwillige Jahre einschieben, die mir nichts bringen als später die Zulassung zur Ausbildung meines Wunschberufes.

Ich bin der Verlierer. Und ich kann nichts daran ändern.

EIN (KLEINER) HOFFNUNGSFUNKEN

•22. Oktober 2007 • Keine Kommentare

Ein (kleiner) Hoffnungsfunken

Ich habe heute mit ihm geredet. Er sagte, er wusste nichts von der Party und andere haben diese zu seiner Überraschung organisiert.

Was im Endeffekt zwar bedeutet, das seine Freundin, die die Feier wohl organisiert hat, mit der ich sechs Jahre lang in die gleiche Klasse ging und auch danach noch befreundet war, nicht viel Wert auf meine Anwesenheit legt, aber auch, das er nichts gegen mich hat. Und mich gerne eingeladen hätte, wenn er nur davon gewusst hätte. Ein gutes Gefühl.

FREUNDE FINDEN

•21. Oktober 2007 • 5 Kommentare

Freunde finden

Über die Zeit habe ich fast meinen gesamten Freundeskreis verloren. Viele meiner alten Schulkollegen meistern ihren Weg zum Abitur, für mich war schon die erste Hürde zu schwierig. Meine Freunde im Jugendzentrum habe ich aufgegeben, bin nicht mehr hingegangen, da es zu viele Differenzen gab und mir ständige Zickereien nicht das gaben, das ich suchte. Und den Kontakt zu den letzten paar Freunden, die ich aus diesen beiden Kreisen mitnahm, habe ich nicht genug gepflegt, um ihn aufrecht zu erhalten. Ein paar davon habe ich mit meinen Unsicherheiten und meiner Unfähigkeit, mich gegenüber anderen zu öffnen sicher auch verprellt. So blieb letztendlich keiner mehr übrig.

Es gibt mir Rätsel auf, wie ich einen neuen Freundeskreis aufbauen kann. Zur Zeit halte ich die Fahne hoch, versuche kein Trübsal zu blasen und klammere mich an die Hoffnung, spätestens mit Beginn meiner Ausbildung bzw. dem zweiten Bildungsweg und somit der zweiten Abiturchance (ich habe mich noch nicht entschieden, welchen Weg ich gehe) wieder neue Leute kennen zu lernen, die mir gegenüber neutral auftreten und bei denen ich vergangene Fehler vermeiden kann.

Doch was ist mit der Zeit dazwischen? Bis zu meiner Ausbildung oder dem zweiten Bildungsweg dauert es noch mindestens 1 1/2 Jahre, die ich überbrücken muss. Soll ich in dieser Zeit weiterhin allein ins Kino gehen? Ist es mir dann weiterhin verwehrt, mal ein paar gute Cocktails zu trinken und dabei nett mit jemandem zu plaudern, weil man dies nur zu zweit tun kann? Und muss ich weiterhin meine Eltern anlügen, das ich in die Stadt fahre um jemanden zu treffen, obwohl ich einfach nur irgendwo hin fahre, etwas esse, etwas trinke, allein irgendwo enlang bummle und die Zeit verstreichen zu lassen?

Nicht die Lüge gegenüber meinen Eltern macht mich krank, es ist die Lüge gegenüber mir selbst. Und die Gewissheit, nicht offen genug zu sein um früher einen Ausweg aus dieser Misere zu finden, nicht im Stande zu sein, einfach jemanden anzusprechen. Wie geht es dir?

EVERYTHING’S FINE

•9. Oktober 2007 • Keine Kommentare

Everything’s fine.

Manchmal gibt es diese Momente, während denen man auf Arbeit mit Lob überschüttet wird, die Erwartungen übertrifft oder einfach das macht, was andere denken: Nur eher. Auf dem Weg nach Haus nur nette, schöne und gutgelaunte Menschen, auf der Straße vor dem Haus von einer netten, jungen und unbekannten Dame angelächelt zu werden, das gehört dazu. Dann in den eigenen vier Wänden ein Paket zu finden, darin die Winterbekleidung eines großen Modediscounters. Das T-Shirt passt, die Hemden sitzen, der Gürtel hat die perfekte Länge, die Kosmetikprodukte riechen gut, beide Mäntel passen und man selbst entscheidet sich schnell für einen von beiden, der sogar der billigere ist. Perfekt.

Und dann stehe ich in der Jacke vor dem Spiegel, schaue mich an, von vorn, versuche einen Blick auf das eigene Hinterteil zu erhaschen, gucke, wie dick ich schon aussehe, in welcher Sitzposition mein Bauch zu dick erscheint und schlage sogar die Chance aus, die Knöpfe ein wenig weiter an den Rand zu setzen um mehr Bauchfreiheit zu bekommen. Dies ist meine Jacke, mein XL, und wenn ich in eine solche Jacke passen will muss ich dafür kämpfen. Ich glaube, ich kann es schaffen. Hier und jetzt

Dann beunruhigt es mich wieder, ganz am Rand, das meine materielle Habsucht mich auf so leichtem Weg befriedigen kann, das ich so simpel gestrickt bin und mich lieber mit Hüllen statt mit Inhalten abgebe. Vielleicht geht es momentan nicht anders.

DAS GEFÜHL, INNERLICH ZU STERBEN

•3. Oktober 2007 • 4 Kommentare

Das Gefühl, innerlich zu sterben

Jemand, den ich noch vor kurzer Zeit zu meinem engsten Freundeskreis gezählt habe und den ich, wenn er es nicht hörte, auch als seinen besten Freund bezeichnet habe, hat vor einer Woche seine Abschiedsparty gefeiert.

Und mich nicht eingeladen.